Mittwoch, 20. Februar 2013

Chittoor, Bangalore, SCAN, FSL, Polizei - Verwirrung

Ich hätte nicht zu glauben gewagt, dass es noch einen Monat nach meiner Ankunft in Bangalore dauern sollte, bis ich endlich mit meiner Arbeit in meinem neuen Projekt anfange.
Denn es kam alles anders als gedacht...
FSL fragte mich bei meiner Anmeldung ganz routinemäßig nach meinem Residential Permit. Also meine Aufenthaltsgenehmigung für Indien, die man mit der Registrierung mit einem Employment-Visa bekommt. So etwas habe ich nie in den Händen gehalten. Da war die Aufregung groß, denn ohne dieses Papier darf ich nicht aus Indien ausreisen! Hätte ich also nicht zu FSL gewechselt und wäre nach meinem Freiwilligendienst ahnungslos zum Flughafen gefahren, dürfte ich das Land nicht verlassen.
Noch viel schlimmer: Ich war seit ca. 2 Monaten illegal ohne Registrierung in Indien! Wie kann das sein, ich hatte doch damals mit SCAN in Chittoor alles geregelt.
Dann wurde es kompliziert... Da mein Visum auf Chittoor und SCAN ausgestellt ist, darf ich auch nur dort registriert sein. Also wurde wieder Kontakt zu meinem alten Chef aufgenommen und es ging für mich zurück nach Chittoor, um alles zu klären. Meine Rückkehr kam früher, als ich es gehofft hatte. In diesem Monat vertrieb es mich ganze drei Male nach Chittoor.
Das erste Mal begleitete mich Jakob als Unterstützung für die Auseinandersetzung mit den indischen Behörden und meinem alten Chef, vor der ich wirklich Respekt hatte. Erst schien alles ganz einfach. Wir wurden wieder freundlich aufgenommen und gingen mit Elizabeth am nächsten Tag zum Office. Was musste getan werden? Ich brauchte eine Registrierung für die letzten 2 Monate und eine falsche Registrierung für die kommenden Monate. Damals hat SCAN wohl gar nicht verstanden, dass ich ein Employment Visa habe und mich einfach nur als Tourist angemeldet. An diesem Tag brachten wir gefühlte hundert Kopien von allen wichtigen Dokumenten zum Office (auch mein Abiturzeugnis und eine Bürgschaft meiner Mutter - warum auch immer...) und es wurde eigens für mich ein Ordner angelegt.
Das Desaster begann am Abend, als wir mit einem Angestellten noch mal in das Office gingen, um die Registrierung hinter uns zu bringen. Da standen Jakob und ich und erzählten die Geschichte, dass ich immer noch für SCAN in Chittoor arbeite und nur am Wochenende nicht dort bin (wie abgesprochen). Gleichzeitig erzählte aber der Angestellte auf Tamil eine vollkommen andere Geschichte: Das ich jetzt in Bangalore bei einer ganz neuen Organisation arbeite. Die ganze Geschichte flog auf und es war klar, dass wir gelogen haben. Alles ging im Chaos auseinander und nach vielen Telefonaten und auch einigen Tränen war klar, dass es nächste Woche wieder - diesmal mit meinem Chef - nach Chittoor geht.
Diesmal wurde anscheinend wieder alles versucht. Auf einmal hieß es, dass die Polizei Untersuchungen machen wollte. Sie wollte kontrollieren, ob ich wirklich in dem Haus wohne (das ich dann auch prompt nicht mehr verlassen durfte) und wollte meine ehemalige Arbeitsstelle besichtigen. Nach großem Drama schien dann endlich alles geklärt zu sein. Nur der SP Officer war einfach nicht da. Immer auf irgendwelchen Meetings, das Office hatte Urlaub und so weiter. Also wartete ich einige Tage und hielt es dann nicht mehr in Chittoor aus. Mein ehemaliger Chef und ich gerieten in eine Art Streit, da er auch nach hundert Erklärungen nicht verstand, dass ich ein Employment Visa brauchte, da es ab Ausstellungsdatum gültig ist und ich sonst nicht hätte 6 Monate für SCAN arbeiten können. Mir wurde die Schuld gegeben, dass ich aus Versehen kein Touristen Visa beantragt habe und sie davon in Indien komplett überrascht wurden. Davon, dass ich alles vorher abgeklärt hatte und sie mich auch in den 2 Monaten nicht registriert haben, war keine Rede mehr.
FSL musste sich komplett raushalten, da sonst der ganze Schwindel aufgeflogen wäre und so stand ich nun allein ohne Registrierung in Chittoor. Ich rechnete mit allem, auch damit, dass ich zurück nach Deutschland geschickt werde oder einen hohe Straße zahlen muss, da ich mich illegal in dem Land aufhalte. Ich nahm Kontakt zu meiner deutschen Organisation auf und war kurz davor, das Konsulat oder die Botschaft einzuschalten. Dann sollte alle ganz einfach gehen. Der Bruder meines Chefs versicherte mir, dass der Residential Permit schon exisitiere, nur noch die Unterschrif des SP Officers fehle und er mir diesen per Post nachschicken könne. So einfach dann doch nicht. Ich musste schon wieder zurück nach Chittoor. Dort hatte ich ein Meeting mit dem Officer. Im Büro interessierte der Officer sich jedoch überhaupt nicht, fragte noch, wie lange ich die Registrierung brauchte und gab seinen ganzen Unterschriften. Mit dem Zettel in der Hand trieb es mich sofort aus Chittoor heraus und ich habe auch nicht vor, so schnell dorthin wieder zurück zu kommen. Hätte ich das alles nur geahnt... Der Bruder meines Chefs, der wusste, wie unwohl ich mich fühlte, meinte nur zum Abschied: „It´s all over. You can go. It´s done.“ Und das war es dann auch.

















PG - das ist also mein neuen Zuhause!

Ich sollte nicht in einer Gastfamilie unterkommen, sondern in einem PG. Gut, okay dann ein PG, aber was ist das? Das ist ein „private Guesthouse“, ein Hostel entweder für Frauen oder Männer, in dem Studentinnen, Jobsuchende und Beschäftigte leben, die nicht bei ihrer Familie wohnen könnte. Hörte sich auf jeden Fall interessant an. Als ich in meiner neuen Unterkunft, dem Vanashree PG, rausgelassen wurde, musste ich meine Vorstellungen erstmal überdenken. Ein großes Gebäude mit vergitterten Fenstern, in dem 140 Mädchen und Frauen leben. Unten ein paar Plastikstühle und ein Fernseher (was das Wohnzimmer darstellen sollte) und einen kleinen Raum, wo zu festen Zeiten Essen serviert wurde. 

Ich kam an und niemand wusste, wer ich war und was ich sollte, denn man hatte niemanden von meiner Ankunft informiert. Also wurde ich erstmal in das Zimmer der Warden verfrachtet, die nicht im Haus war. Abends kam sie und ich merkte, dass hier alles etwas anders läuft. Die Warden Asha ist relativ jung und ziemlich verplant. Ein Zimmer kann ich erst bekommen, wenn die zwei anderen Freiwilligen, die auch dort wohnen, wieder da sind, hieß es. Also lebte ich die erste Woche im einem Zimmer mit meiner Chefin, die komplett keine Privatsphäre hat, weil jeder in ihren Raum gestürmt kommt. Gegessen wird alleine auf den Zimmern und man muss auch sein eigenes Geschirr mitbringen, eigene Wäsche und eigenes Putzzeug. Und eigentlich machen die meisten auch gern alles allein oder mit ihren Zimmergenossinnen. Aber wo soll man sich sonst auch treffen ohne Gemeinschaftsraum?
Als dann meine neuen Mitbewohnerinnen Fanny (Deutschland) und Jasmijn (Holland) aus dem Urlaub wiederkamen hieß es umziehen. Da jedoch niemals 3 Betten in dem kleinen Raum nebeneinander gepasst hätten, musste ein Doppelbett her. Morgen, oder übermorgen,.. Den ganzen Tag lang kämpften wir um ein Bett und abends um 11 war es dann endlich geschafft. Aber hat je irgendjemand auch von einer Matratze gesprochen? Dafür musste man nochmal viel Überredungskunst und Hartnäckigkeit bei Asha einsetzten, die immer in die unterschiedlichsten Ecken des Hauses vor uns floh. Auf jedem Fall habe ich in diesem PG penetrant auf seinen Rechten zu bestehen. 
Mein Badezimmer (beim Wäschewaschen)

In was für einer Gegend bin ich eigentlich gelandet? Das sah alles nicht mehr so nach Großstadt aus. Mein Stadtteil heißt Mathikere, das nahe dem großen Bezirk Yeshwantpur ist. Asha nahm mich einige Male auf ihrem Scooter mit und zeigte mir die Gegend, wie den großen Gemüsemarkt und die überfüllten Straßen.
Fanny und Jasmijn zeigten mir dann noch das Viertel mit seinem Supermarkt, dem Postladen, dem Internetcafe und Läden, wo man sein Handy auflädt, Fotos ausdruckt und Bus- und Zugtickets bucht.
Mit meiner Ankunft begann auch gleich eines der größten und wichtigsten Hindu-Festivals. Diwali! Das lässt sich für uns am besten als eine Mischung aus Silvester und Weihnachten beschreiben. Es stehen überall Öllämpchen, es werden in der Familie Geschenke verteilt und Feuerwerke und Knaller gezündet. In den 5 Tagen des Festivals herrschte Ausnahmezustand. Mit Jasmijn und Fanny und einer deren indischen Freundinnen aus dem PG gingen wir schön essen, besorgten uns ein kleines Feuerwerk und feierten Diwali auf unserem Hausdach. Es war wunderschön abends die tausenden Lichter zu sehen und die unzähligen Feuerweke. Auch im PG wurden einige Lichter aufgestellt, wobei die meisten Mädchen jedoch nach Hause zu ihren Familien gefahren waren. Andererseits hat man sich zwischendurch wir im Krieg gefühlt. Die Knaller hier sind um einiges lauter als in Deutschland und mit Sicherheitsstandards will ich gar nicht erst anfangen. Die ganze Zeit, bis spät in die Nacht, knallte es, und am Telefon hat es sich wie ein Bombenangriff angehört. Abends ging man am besten auch nicht auf die Straße, da die Inder munter Knaller aus ihren Fenstern warfen und man immer aufpassen musste, nicht in eine Explosion zu geraten. Auch ist in den Großstädten wie Bangalore in dieser Zeit die höchste Lärmbelästigung und der schlimmste Smog innerhalb des ganzen Jahres....

Sonntag, 17. Februar 2013

Raus aus Chittoor! - Die erste Reise

Mysore

Bye bye Chittoor, auf ins Abenteuer! Die erste Station meiner Reise war Mysore. Der Weg dorthin war schon aufregend. Begonnen hat er nachts von Chittoor nach Bangalore, wo ich mitten in der Nacht auf dem großen Busbahnhof angekommen bin. Da so etwas zu gefährlich für eine Frau allein ist, hat mich bis dorthin ein Angestellter von SCAN begleitet. Leider endete in Bangalore alles im Chaos, da der Mann leider komplett keine Ahnung von den Bussen nach Mysore hatte. Ich rannte also die ganze Zeit mit dem gesamten Gepäck hinter ihm her, wenn er die verschiedenste Leute fragte, und sollte alleine auf ihn warten. Da wäre ich alleine wirklich noch sicherer gewesen!
Schlussendlich war der Bus nach Mysore anscheinend gefunden, eine rasche Verabschiedung und ich entspannte mich, bis der Kontrolleur kam und nur 8 Rupees für das Ticket wollte. Das kann doch nicht angehen? Konnte es auch nicht. Ich saß im Stadtbus zu einer anderen Busstation, habe dann aber doch noch die richtigen Busse gefunden. Erschöpft aber glücklich kam ich dann morgens in Mysore an, nachdem ich mehrmals komplett übermüdet an der falschen Haltestelle aussteigen wollte und mich die Leute im Bus zum Glück noch davon abgehalten haben.
In Mysore sollte ich Biggi treffen, die ich schon aus Deutschland kannte und die als Freiwillige in Mysore arbeitet. Das war aufregend! Sie kam mit einer Gruppe anderer Freiwilliger von einem Workcamp, meine ersten Weißen seit einigen Wochen! Ich bin schon wie die Inder geworden und starre nur noch die Weißen an. Die Wiedersehensfreude war groß und ich war ganz überfordert von den ganzen neuen Eindrücken. Glücklich saß ich dann mit Biggi im Bus zu ihrer Gastfamilie, wo ich für die Nacht unterkommen sollte. Mysore, eine Touristenstadt, sowas war ich nicht gewohnt. Lauter Weiße und lauter Menschen, die einem alles mögliche verkaufen wollten.
Ich wurde dann von der Familie gleich herzlich und laut aufgenommen. Und was am schönsten war, ich konnte mit Biggi über alles erlebte sprechen und mich mit ihr über unsere Erfahrungen in Indien austauschen,die zu dem Zeitpunkt so unterschiedlich und gleichzeitig so ähnlich waren.
Abends haben wir dann noch einen Ausflug nach Hunsur zu anderen Freiwilligen gemacht. Dort wurden wir von einer Parade durch die Stadt überrascht. Immer noch ein Stadtviertel, das Ganesh Chathurti feiert & ihre Ganesh Statue im See versenken möchte, obwohl das Fest schon seit einigen Wochen vorbei ist. Menschen in Kostümen, Trommler und eine riesige mit Blumen behangene beleuchtete Statue! Die Trommler bildeten einen Kreis um uns und wir tanzten mit den Indern zu der Musik. Was für ein toller erster Abend. Das war das Indien, das ich mir die ganze Zeit vorgestellt habe.
Am nächsten Tag ging es zu einem Hotel, das ich mir mit den beiden Freiwilligen Lea und Insa geteilt habe. Gemeinsam wollten wir uns Mysore anschauen, in dem im Moment Ausnahmezustand herrschte, da das Desara-Festival stattfand. Das Desara Festival wird am größten in Mysore gefeiert, wobei es einen riesigen Umzug durch die Stadt gibt (bei dem auch der echte Thron des Maharadschas herumgetragen wird) und abends alles mit Lichtern beleuchtet ist. Zusammen entdeckten wir den Palast des Maharadschas und den riesigen Devaraja Market, der vor allem berühmt für seine Farben und Öle ist. Wir waren alle ganz verzaubert. Dann wollten wir vier noch in ein Restaurant zu einem gemütlichen Abendessen, bei dem sich dann aber zufällig um die 30 verschiedenen Freiwilligen von FSL ansammelten. So viele Deutsche auf einmal!
Dann kam der große Tag der Parade und wir machten uns früh auf den Weg zum Palast, da die kleine Chance bestand, noch eine Eintrittskarte zu bekommen, um die Parade vom Palast aus zu sehen. Daraus wurde leider doch nichts und wir sputeten uns, um noch einen Stehplatz an der Straße zu bekommen. Die Menschenmassen waren wirklich unglaublich und die Sonne brannte auf uns herunter. Wir sahen bemalte Elfanten, Tänzer, Menschen in Kostümen und kleine Bühnen, die indische Mythen darstellen sollten. Dann wurde es sehr unruhig, der Zaun hinter uns wurde eingetreten und Inder rannten darüber. Und warum waren auf einmal nur Männer um uns herum? Diese nutzten die Gelegenheit natürlich, mal einer weißen Frau ganz nah zu sein. Also schnell aus den Menschenmassen in ein gemütliches indisches Eiscafé und unseren Sonnenbrand pflegen. Abends schlenderten wir durch die Straßen, die alle beleuchtet waren. Das beeindruckenste war der Palast, der komplett mit Lichterketten behangen war. Vom Chamundi Hill genossen wir dann den Blick über die ganze Stadt und kamen dann erschöpft in unserem gemütlichen Hotelzimmer zur Ruhe.
Insgesamt waren die Tage in Mysore so erlebnis- und abwechslungreich, wie ich es mir nicht vorstellen konnte.
Elefant beim Desara-Festival
Mysore-Palace bei Nacht


Devaraja-Market

Die nächste Etappe der Reise war Hampi, eine riesige Ruinenstadt inmitten einer steinigen Berglandschaft. Mit Biggi, Lea, Insa und Benni (alle bekannte Gesichter aus Deutschland) ging es im klapprigen „ordinary bus“ nach Hampi. Die perfekte Möglichkeit billig zu reisen. Die 12 Stunden Busfahrt haben uns nur 300 Rupees gekostet!
Es war magisch im Morgengrauen durch die Bananenplantagen und alten Ruinen zu fahren und wir waren schon begeistert, bevor wir ankamen. In unseren 4 Tagen sind wir viel durch die alten Ruinen geschlendert und Hampi ist zu einem meiner Lieblingsplätze in Indien geworden. Hampi ist keine Stadt, es besteht komplett aus Lodges, Restaurants und Läden, die mitten in die Ruinen hereingebaut sind, natürlich illegal. Deshalb werden sie nach und nach alle abgerissen und man weiß nicht, wie Hampi in der Zukunft aussehen wird. Zunächst erkundeten wir die alten Tempel in der näheren Umgebung. Es machte wirklich Freude, einfach nur zu sitzen und den Ausblick zu genießen und in den Ruinen herumzuklettern. Abends zog es und dann noch in den großen Tempel, der noch aktiv ist. Wir machten den Darshan mit, saßen auf den aufgewärmten Steinen, lauschten den Gesängen und beobachteten die Affen, die überall in der Anlage herumkletterten. Da sonst kaum Touristen den Darshan im Tempel mitmachten und sich alle so darüber freuten, dass wir indische Kleidung trugen, wurden wir oft angesprochen und auch die Brahmanen freuten sich.
Am anderen Tag ging es auf die andere Seite des Flusses, der Hampi teilt. Für uns ging es aber nicht in den traditionellen Nussschalenbooten sondern in der kleinen Fähre über den Fluss. Wir liehen uns dort Motorräder aus und erkundeten mit ihnen die ganze Gegend. Ich saß bei Biggi hintendrauf und natürlich sitzt man wie die Inder freihändig. Es war so ein tolles Gefühl durch die Reisfelder und Berge zu fahren. Wir besuchten den Hanuman-Tempel, der auf der Spitze eines Berges thront und zu dem man anstrengende 600 Stufen heraufsteigen muss. Doch der Ausblick entlohnte alles. Hanuman ist der Affengott und deshalb waren auch so einige Affen dort oben anzutreffen, weshalb man wirklich auf sein Essen aufpassen musste! In dem sehr kleinen Tempel saßen wir noch längere Zeit und hörten den Gesängen zu, bekamen den langen roten Strich auf die Stirn gemalt und bekamen Tee. Danach ging es an einen See. Auf der Suche nach einem stillen Plätzchen landeten wir mitten in einer Affenherde. Leider haben wir gerade unsere Bananen gegessen und als die Affen auf einmal die Zähne fletschten, war es Zeit zu verschwinden, da mit ihnen wirklich nicht zu spaßen ist. An der Straße wurde uns dann noch von einem Schlangetempel im Dschungel und einem Wasserfall erzählt. Das wollten wir sehen! Biggi und ich wurden dann aber von einer Gruppe indischer Männer aufgehalten, die uns die ganze Zeit die Hand geben wollten (was keine indische Frau macht) und aufdringlich waren. Also fuhren wir schnell hinter den anderen her, sahen jedoch hinter einer Kurve die Riksha mit den ca. 15 Männer hinter uns her jagen, die auf dem Dach saßen und aus den Türen heraushangen. Sie verfolgten uns grölend und versuchten uns anzufassen und auszubremsen. Und es war wirklich wie eine Verfolgungsjagd. Da die Sonne schon unterging und sowas wirklich gefährlich mitten im Dschungel werden könnte, drehten wir schnell um und fuhren zurück. Wir setzten noch mit der Fähre über und ließen den Abend ausklingen. Am nächsten Tag stiegen wir schon vor Sonnenaufgang auf und gingen in den Tempel, in dem im Morgengrauen ein besonderes Gebet abgehalten wird. Danach mieteten wir uns nochmal ein Motorrad um unsere Seite des Flusses zu erkunden. Wir sahen wirklich beeindruckende Tempelanlagen, die alle so weit verstreut waren, dass man länger zu ihnen hingefahren ist. Für den einen sollte man dann als Nicht-Inder 250 Rupees bezahlen (Eintritt für Inder 10 Rupees), was uns zu viel war. Biggi und ich schafften es dann jedoch den Ticketkontrolleur zu erweichen. Dieser meinte dann er kauft uns ein Ticket für 80 Rupees. Das Geld wird er jedoch auf jeden Fall behalten haben und wir sollten es ihm in einer Ecke im Tempel geben. So ist es wohl mit der Korruption. Auf dem Weg zurück ist jemandem von uns dann leider das Motorrad umgekippt, als sie losfahren wollte. Zum Glück ist nichts passiert, aber das Motorrad war so ziemlich kaputt. Es gab erstmal großes Drama und einen Menschenauflauf um uns herum. Wir transportierten das Motorrad mit der Riksha zurück nach Hampi und redeten eine Stunde auf den Vermieter ein und erzählten die Geschichte, die wir immer erzählen: Wir sind Voluntäre, arbeiten, leben für längere Zeit in Indien und haben kein Geld. So war die Strafe, die wir für die Reparatur zahlen mussten, nicht zu hoch war. Erleichtert stiegen wir noch schnell auf einen Felsen um uns den Sonnenuntergang anzuschauen. Doch es versammelte sich eine riesige Gruppe von Indern um uns, die einfach die ganze Zeit ungeniert Fotos von uns machten. Dies war schon die ganze Zeit über der Fall gewesen. Ich möchte nicht wissen, was eine Inder mit diesen Fotos anfangen. Diesmal war es wirklich zu viel für uns und wir versuchten energisch zu erklären, dass wir nicht im Zoo sind und nur ganz normale Menschen wie die Inder auch. Verstanden haben sie es wohl nicht, aber irgendwann sind sie gegangen.
Am nächsten Tag erkundeten wir noch einige Tempel und schauten uns gemütlich die Massen an Läden an. Hampi ist nicht sehr groß und die ganzen Verkäufer kannten uns schon. Es wird natürlich mit den drastischsten Maßnahmen versucht, jemanden zum kaufen zu bewegen. Und da man auch eher oft gefragt wird, wo man herkommt und wie man heißt, dachten wir uns unsere eigene Geschichte aus, wenn uns einige Personen sehr komisch vorkamen. Unsere Herkunftsländer waren Usbekistan und Armenien, womit die Inder komplett nichts anfangen konnten und so auch nicht ihre kleinen Deutschkenntnisse an uns ausprobiert haben.
Hampi wimmelt nur so von anderen Touristen und wir haben viele nette und interessante Menschen getroffen, die man zufällig immer wiedergesehen hat. Hampi liegt wirklich im Nirgendwo und hat auch meist keinen Handyempfang. Irgendwann bekam ich dann die SMS meiner Mutter: Bitte ein Lebenszeichen. Sobald man auf Reisen ist, vergeht die Zeit so schnell und man ist so mit den neuen Eindrücken beschäftigt, dass kaum Zeit hat, an zu Hause zu denken.
Unsere tolle Reisegruppe trennte sich dann und Biggi und ich reisten mit Anita und Anne, Freiwilligen aus Mysore, weiter.

Tempelanlage in Hampi
Biggi und Ich auf dem Motorrad

Insa, Ich und Lea mit einem Ausblick über Hampi

Lea, Insa und Benni auf dem Motorrad

Hanuman-Tempel

Sonnenuntergang auf dem Berg


Abendatmosphäre auf einem Rooptop-Restaurant

Unsere Reisegruppe (Biggi, Ich, Benni, Lea, Insa)

Nächste Station: Goa! Es wird einem oft erzählt wie touristisch und unindisch Goa ist und dass man es nicht unbedingt gesehen haben muss. Trotzdem wollten wir uns unser eigenes Bild machen. Mit dem Bus ging es dann den holprigen Weg durch die Berge nach Goa. Zum Glück hatten wir einen Semi-sleeper (der besser als die ordinary Busse ist und bei dem man die Sitze zurückklappen kann). Und da kamen wir dann in Goa, Panaji im Morgengrauen an und hatten wirklich komplett keine Ahnung und keinen Plan. Also haben wir uns einfach von irgendwelchen Riksha-Fahrern einen Ort empfehlen lassen und uns mit Bussen nach Anjuna begeben. Auf dem Weg trafen wir noch eine Belgiern, Celine, mit der wir uns die Zeit über immer wieder getroffen haben. Der Ort war schön, touristisch, voller Läden und verrückter Menschen. Wir verbrachten vier schöne Tage am Strand und es fühlte sich wirklich wie Urlaub an. Abends konnte man ausgehen und es war wunderschön, im Meer zu tanzen. Wir haben Menschen kennengelernt und einige Abenteuer erlebt, die man hier gar nicht alle beschreiben kann. Wir perfektionierten unsere Verhandlungsfähigkeiten auf dem riesigen Flohmarkt und mieteten uns ein Motorrad, um die umliegende Gegend zu erkunden. Dort sahen wir schöne Strände und kleine Dörfer.
Natürlich ist Goa auch das, wofür es bekannt ist. Die vielen Touristen, vor allem waren es Russen, liefen in knapper Kleidung herum. Das war für uns zunächst schon eine Art Kulturschock. Für uns war klar: Wir gehen wie die Inderinnen in Klamotten baden und tragen ein Bindi. Indisches Essen war leider nur schwer zu bekommen und einem wurden oft Drogen auf der Straße angeboten.
Ich kann nur sagen, dass wir dennoch eine tolle Zeit hatten und ich werde die Erlebnisse dieser ersten Reise nicht so schnell vergessen. Es viel uns wirklich schwer Abschied von dem Ort zu nehmen, doch wir mussten uns in dem holprigen ordinary Bus auf die 14 stündige Rückreise machen.
Aber uns war bewusst, dass es nicht unsere letzte gemeinsame Reise war und dass es uns auch irgendwie noch einmal nach Hampi und Goa treiben würde.

Strand in Anjuna

Strand typisch indisch (mit Kühen)

Ausblick vom Fort

Jetzt sind wir auch mal touristisch


Lea hat noch ein Video von unserer Reise hochgeladen: http://www.youtube.com/watch?v=2emvBggVlHU

Mittwoch, 13. Februar 2013

20.12.2012 - Wechsel

Meine letzte Zeit in Chittoor war angebrochen, denn es stand nun fest, dass ich zu der indischen Organisation FSL (Field Services & inter-cultural Learning) und in ein neues Projekt in einer anderen Stadt wechseln werde. 

Zunächst wollte ich erst einmal aus der Stadt heraus und ein paar andere Freiwillige, die ich aus Deutschland kannte, treffen. Außerdem legte mir mein Chef in Bangalore nah, schon meine ganzen Sachen mitzunehmen und war selber ganz froh aus der Situation herauszukommen, denn zwischen uns beiden hat es wirklich nicht gepasst. Er wusste schon länger von meinem Wechsel Bescheid, doch dann erfuhr ich, dass er niemanden in Chittoor darüber informiert hatte. Also versuchte ich es auf English seinem Bruder und seiner Mutter verständlich zu machen, dass ich nach meinem Urlaub nicht mehr wiederkomme, und hoffte, dass sie es verstanden haben.
Die letzten Tage verbrachte ich mit Packen, Organisieren, Herumtelefonieren und Verabschiedungen. Es gab noch ein letztes Essen bei den Verwandten meines Chefs. Auch dort war das Gesprächsthema fast nur der vorherige Freiwillige, was sich durch meine ganze Zeit in Chittoor gezogen hat. Auf mich hat das manchmal Druck und das Gefühl einer Erwartungshaltung gegeben. Auch meine (öftere) Bemerkung: „Now I know more about the other volunteer than SCAN, Chittoor or India!“ wurde mit größter Freude aufgenommen.
Mein letzter Abend war voller verschiedener Emotionen. Erst kam der Abschied vom Sherman College, den Wardens und den Mädchen dort, die ich wirklich vermissen werde. Als ich dort abends ankam, waren die Kinder gerade zurück aus ihren Ferien und beim Abendgebet, das dann mir gewidmet wurde. Dann kam Monsunregen, mir wurde ein Regenschirm besorgt und im Dunkeln machte ich mich von den Mücken verfolgt schnell auf den Weg nach Hause. Ein zu kurzer Abschied. Aber es ist ja auch nicht das letzte Mal, das ich sie sehe. Ich ruhte mich dann noch kurz aus, wobei ich viel zu aufgeregt war. Nachts klingelte dann der Wecker, die Mutter kam noch zu mir für ein Gebet für mich und dann ging es auf meine erste große Reise in Indien mit einer noch unbekannten Zukunft im neuen Projekt.
Mein altes Zu Hause

Der Monsun kommt

Auch von den Mädchen heißt es Abschied nehmen





Erkundung von Chittoors Umgebung

In dieser Woche kam für mich erstmal eine große Umstellung. Miriam war nicht mehr in Chittoor und somit fiel ein wesentlicher Teil meiner Tagesbeschäftigung weg. Dennoch bin ich die meisten Nachmittage noch in die Sherman School gegangen, um dort die Wardens und die Kinder zu besuchen.
Außerdem wollte mein Chef Suresh mir einige schöne Orte in der Umgebung zeigen. Wir haben extra einige Tage dafür ausgemacht. Aber wir sind in Indien! Das bedeutet, dass mir jeden Tag gesagt wurde, dass es irgendwelche Probleme gibt und die Tour verschoben wird... Sie hat bis heute nicht stattgefunden.
Dafür habe ich einige sehr spontane kurze Ausflüge gemacht. 

Vellore 


Nachdem ich meinen Unterricht beendet hatte, wurde mir kurzerhand erklärt, dass ich jetzt mit der Angestellten Elizabeth nach Vellore fahre. Warum nicht! Mit einem holprigen Bus ging es nach Vellore zum goldenen Tempel. So eine Busreise mit Indern kann sich wirklich in die Länge ziehen, denn Elizabeth hatte komplett keine Ahnung wohin wir sollten.
Vor dem Tempel erklärte mir dann Elizabeth, ich müsse allein hinein gehen, für sie sei es Götzenverehrung und sie würde niemals Tempel betreten. Na gut, dann eben allein! Der Tempel wurde von einem Guru erbaut und ist wirklich aus purem Gold! Viele Menschen finden es jedoch sehr fragwürdig, wie die Spenden eingesetzt wurden. Ich machte dann meinen Weg durch die Tempelanlage (wobei die Besucher durch Schilder permanent zu Spenden aufgefordert wurden, auch mit Kreditkarte möglich). Sie war bunt bemalt und die Gartenanlage war auch wunderschön. Beim Tempel angekommen erfuhr ich, dass Elizabeth mir aus Versehen ein „Special Darshan“ Ticket gekauft hat. Okay, dann mache ich einfach den Hindus vor mir alles nach.. Ich durfte in einer Gruppe Menschen für eine Viertelstunde in dem Tempel hocken und mir die innere, heilige Figur des Gottes angucken und verschiedene Gebete mitmachen. Der Anblick des goldenen Tempels war einfach umwerfend. In der Zeit dort wurde ein Gebet auf Sanskrit gesungen und man wurde von dem Brahmanen im Tempel gesegnet. Auf dem Weg heraus habe ich dann noch eine Tasche mit Guru-Aufdruck, ein Armband und die Tempel-Süßigkeit Ladoo bekommen. Natürlich mit Spendenadresse. Trotzdem war die Stille und Schönheit des Tempels genau das, was ich in dieser Zeit brauchte. So schön, mal aus dem Lärm und Staub von Chittoor herauszukommen!
Elizabeth wartete vor dem Tempel und ich erfuhr, dass ihre Eltern auch Hindus waren und sie konvertiert ist. Leider konnte ich nicht verstehen warum, denn ihr Englisch reicht dazu nicht aus.
Was war als nächstes dran? Der ganze Stolz der Inder, das CMC-Krankenhaus, von dem uns immer erzählt wurde, dass es das zweit Beste der ganzen Welt ist. Wahrheit: es ist ein bekanntes Krankenhaus in Indien und von Menschenmassen belagert. Voller Stolz wurde mir das Krankenhaus gezeigt und in der Kapelle des christlichen Krankenhauses wurde noch ein kleiner Ausgleich für Elizabeth geschaffen.
Auf dem Weg zum Bus kam dann ein Vorbote des Monsuns, der jetzt erst richtig bei uns anfängt. So viel Regen auf einmal! Und wir in unserer indischen Kleidung komplett durchnässt mitten in Vellore. Natürlich muss da der Stadtbus genommen werden. Der überfüllteste Bus, den ich bis jetzt in Indien erlebt habe. Wir haben uns irgendwie in die offene Tür gequetscht. Man konnte gar nicht mehr umfallen. Aber natürlich musste der Chaffeur seine ganze Runde durch den Bus machen. Ich weiß nicht, wie er das überlebt hat. Daheim in Chittoor hab ich mich über diesen abwechslungsreichen Tag wirklich gefreut. Nur mit der simpeltsten Kommunikation zwischen Elizabeth und mir hat es irgendwie funktioniert und ich hatte wieder einen interessanten Einblick in den Hinduismus, von dem ich Chittoor sonst eher wenig mitbekomme.

Zion-Hill


Die Kirche auf dem Zion-Hill
Mir sollte außerdem ein Berg in der Umgebung mit einer Kirche darauf gezeigt werden, zu dem mich mein Chef eigentlich mitnehmen wollte. Dann doch nicht der Chef, sondern seine Mutter und ein Verwandter mit dem privaten Fahrer. Alle 3 Gefährten konnten kaum ein Wort Englisch. Es ging mit dem Auto los und alle sangen fröhlich zu christlicher indischer Musik. Der Berg und die Natur war wunderschön und wieder die perfekte Abwechslung zu dem lärmenden Chittoor, das mir in letzter Zeit einfach zu viel wird. Während die anderen betend in der Kapelle waren, bin ich etwas auf den Berg geklettert. Wirklich einmal allein mitten in Indien, das ist selten! Und der Moment war wirklich besonders. Der Ausblick war frei auf eine Landschaft mit Palmen, Reisfeldern und Bergen, die man sich stundenlang angucken kann.
Der Monsun überraschte uns rasch und ich rannte die Treppen zum Auto herunter, da es sonst keinen Unterstand gab. Ich genoss den Regen, der so schön kühl im Vergleich zu den Temperaturen war. Und meine Begleiter schauten mich nur fassungslos an, da sich Weiße im Regen ihrer Meinung nach alle Krankheiten holen, die es gibt. Durchnässt ging es dann im Auto zurück nach Chittoor. Natürlich nicht ohne einen Teestopp in einem kleinen Dorf zu machen und Verpflegung für die Autofahrt zu holen.
Mein letzter Ausflug war der merkwürdigste von allem. Wieder mit dem Verwandten, der kaum ein Wort Englisch spricht. Was wollte er mir zeigen? Eine Süßigkeitenfabrik in Chittoor! Angekommen war ich wirklich überrascht, alles wurde mit Handarbeit gemacht, viele sehr alte und sehr junge Menschen haben dort gearbeitet. Probieren sollte ich auch ständig, was mein Magen gar nicht gut vertragen hat. Denn indische Süßigkeiten sind so voller Ghee (aufgeschäumte Butter) und so extrem süß, dass man nach einem Stück schon nicht mehr kann. Auch die Inderinnen & Inder, die dort arbeiteten, hatten eine Menge an mir zu gucken. Also beruhte das wohl auf Gegenseitigkeit. Dann war der Besuch auch schon wieder vorbei und ich weiß bis jetzt noch nicht wirklich, was ich von alledem halten soll.













Abschiede und eine Hochzeit!

Abschiede und eine Hochzeit!



In dieser Woche Anfang Oktober ist Miriam, die Freiwillige in dem anderen Projekt, zurück nach Deutschland geflogen und auch ich habe auf Neuigkeiten über meinen Projektwechsel gewartet. An einem Tag wurde ich dann von den Wardens spontan zu einer Hochzeits-Function „eingeladen“. Miriam hatte das Brautpaar sogar schon getroffen und ich war ihre deutsche Freundin, was vollkommen als Eintrittskarte reicht.
Es war die Hochzeit einer relativ wohlhabenden Familie und für uns die perfekte Gelegenheit, das erste Mal richtig einen Saree zu tragen. Als wir im Zimmer standen und uns mit Hilfe der Köchin und den beiden Wardens angekleidet haben, wurde mein Saree kurzerhand als nicht feierlich genug deklariert, da es nur ein Alltags-Saree ist. Also hat einer der Wardens einen ihrer schönsten Sarees geliehen, in den ich dann noch schnell eingewickelt wurde. Für die Schulmädchen waren wir natürlich eine Attraktion und für die Inder sahen wir aus wie Schaufensterpuppen („puppets“). Nach stundenlangem Warten ging es dann für Miriam und mich mit den Wardens und einer Gruppe an Indern auf zur Function. Etwas verspätet kamen wir dann an der großen Halle an, die extra gemietet wurde und mit hunderten Lichtern behangen war. Zur Begrüßung bekommt jeder Gast Süßigkeiten und Blumen für die Haare, von denen sich die Köchin erstmal eine Tüte eingepackt hat. So wird’s gemacht! Die Halle war auch schon gut gefüllt mit den ungefähr tausend Gästen, die alle gekommen und gegangen sind, wann sie wollen und es herrschte reges Treiben. Derweil saß das Brautpaar auf der Bühne auf einem reich verzierten Sofa in indischer traditioneller Kleidung und die Braut war natürlich mit Massen an Schmuck behangen. Die Function ist noch etwas anderes als die Trauung und es wurden Reden gehalten, Lieder vorgeführt und natürlich musste jeder Gast ein Foto mit dem Brautpaar machen. Da sich so etwas bei 1000 Gästen sehr in die Länge zieht, geht jeder, wenn er möchte, nach unten um dort das Festmahl zu verspeisen, aufzustehen und schnell für die nächsten Gäste Platz zu machen, da niemals alle in einen Raum passen. Das obligatorische Festtagsessen in Andhra Pradesh ist wie immer Biryani. An diesem Abend gab es Mutton Biryani. Was kann man sich darunter vorstellen? Reis, der schon mit einer Soße vermischt ist, die einen eigenen Geschmack hat, und grob gehackte Stücke Ziegenfleisch, mit Knochen, Knorpel und allem was dazu gehört. Dazu gibt es Raitha (Joghurt mit Zwiebeln) und als Nachtisch gelben (?) Milchreis. Am Anfang fand ich es etwas eigen, aber ich muss sagen: Ich bin auf den Geschmack gekommen! Das ganze wird auf Bananenblättern gegessen und man muss aufpassen, da einem schnell in einer unbemerkten Sekunde wieder Massen an Reis aufgeladen werden. Insgesamt hat es mich aber eher an eine Massenabfertigung erinnert und mir hat ein bisschen das feierliche oder auch gemütliche Ambiente gefehlt, was aber bei tausend Gästen schon fast unmöglich. Insgesamt war es ein interessanter Abend und ein schöner Abschluss für Miriam in Chittoor. 

Die Function-Hall für die Hochzeit
Das Hochzeitspaar   
Wardens, Köchin und Ich im Saree


Am nächsten Tag war dann der Abschied gekommen. Ich bin morgens vor der Arbeit noch zur Sherman School gegangen, um sie zu verabschieden. Es herrschte eine gedrückte Stimmung und die Kinder waren sehr traurig. Die Wardens haben dann noch für Miriam und mich gebetet und schienen sehr berührt über den Abschied zu sein. Miriam machte sich dann auf nach Bangalore. 





Am nächsten Tag hat es mich dann auch spontan nach Bangalore getrieben, um dort den letzten Tag mit ihr zu verbringen und mal raus aus Chittoor zu kommen. Ich habe mich mitten in der Nacht auf den Weg gemacht, um morgens in Bangalore anzukommen, da es im Dunkeln zu gefährlich ist.
Es war schon merkwürdig Chittoor nachts so leer und still zu sehen, weil ich es sonst nur so lärmend kannte. Da musste ich bei mir denken, dass der Ort wenigstens nachts seinen Frieden findet. Doch am Busbahnhof und überall an der Strasse haben die Obdachlosen geschlafen und ich war ganz froh, dass mein Chef mich mit seinem Scooter zum Bahnhof gefahren hat. Dann ging es mit einem privaten Nachtbus nach Bangalore. Ich sollte Miriam an dem Büro ihrer Organisation in Bangalore morgens treffen und mir wurde detailliert der Weg dorthin beschrieben und an welchen Busstationen ich um- und aussteigen musste. Leider ist es dann alles anders gekommen, denn die privaten Busse haben eine andere Route und ich wurde nur irgendwo abseits der richtigen Busstation abgesetzt. Ich wollte mich dann zu den Bussen nach Koramangala durchfragen, aber nachdem ich ca. zwanzig Mal in vollkommen unterschiedliche Richtungen geschickt wurde und die Busfahrer mir auch nie weiterhelfen konnten, war ich schon etwas verzweifelt. Das erste Mal alleine in Bangalore und dann so etwas. Dann hat mich zum Glück irgendein Inder aufgelesen, der meine offensichtliche Verwirrung bemerkt hat und wahrscheinlich froh war, dass ich nicht an irgendwelche anderen zwielichtigen Gestalten in der kommenden Morgensonne geraten bin. Dieser hat mich dann mit seinem Motorrad eine halbe Stunde durch die Stadt direkt vor die Haustür des Office gefahren. Man kann wirklich sagen, ich hatte Glück! Dort wartete Miriam auch schon auf mich und wir wollten uns auf den Weg in die Stadt machen. Doch die Mitarbeiter wussten, dass man mit Bussen und Rikshas in Bangalore nur langsam vorankommt und sich wenige Plätze anschauen kann. Also wurde für uns ein Taxi mit einem Fahrer bestellt, der uns den ganzen Tag lang an alle Orte gebracht hat, die wir besuchen wollten. So hatten wir sozusagen einen persönlichen Chauffeur für einen Tag.
Wir haben einige schöne Orte in Bangalore besucht, obwohl es insgesamt nicht viele Sehenswürdigkeiten gibt. Wir waren im Bangalore Palace, der ganz beeindruckend britisch war, und von der Innenausstattung eine interessante Mischung aus allen Stilen und indischer Kultur hatte, die einfach gnadenlos durchmischt wurden. Als wir dann in dem einen Raum, der wohl auch als Office diente, plötzlich Touristenbilder von der chinesischen Mauer dort hingen, waren wir doch verwundert...
Es war das erste Mal das man sich so schön offensichtlich als Tourist verhalten konnte und Miriam und ich hatten auf jeden Fall unseren Spaß dabei. Außerdem haben wir die Shoppingmeile, MG Road (Mahatma Ghandi Road) besucht, und ich war schockiert, wie westlich alles auf mich wirkte. Den Tag haben wir dann schön an einem See (Ulzoor Lake) ausklingen lassen, der für uns nicht schön wirken würde, aber für Bangalore-Verhältnisse eine richtige Oase war. Nach einer Bootstour haben wir den letzten Abend dort noch schön mit einem Picknick verbracht und abends kamen dann auch so einige Pärchen an den See. So in der romantischen Abendstimmung kommen auch die verschleierten Frauen mit ihren Männern Hand in Hand und hinter einem Baum wird dann auch schonmal der Schleier gelüftet. Als das wirkte auf uns sehr modern, da wir nur Chittoor-Verhältnisse gewöhnt waren, und dort berühren sich Ehepartner noch nicht einmal wenn sie im eigenen Haus sind. Ich sollte dann von meinem Chef abgeholt werden und die Nacht über in Bangalore verbringen. Leider hatte sein Auto einen Platten und wir haben mit dem kaputten Reifen eine kleine Odyssee durch Bangalore gestartet, um einen neuen zu bekommen, es im Dunkeln von einem Riksha-Fahrer reparieren zu lassen und dann endlich im Apartment anzukommen. Ich bin dann einfach nur noch todmüde ins Bett gefallen und Miriam hat nachts ihren Flug zurück nach Deutschland genommen. Ein schöner letzter Tag!

Donnerstag, 8. November 2012

Hochzeit

 

Ich will noch kurz von einem Ausflug berichten, den Miriam und ich kurzfristig mit einer der Wardens, Chandrakala, vor 2 Wochen gemacht haben. Wir sind zu einer indischen Hochzeit gefahren, allerdings einer christlichen. Die Hochzeit war etwas abseits in einer kleinen Dorfkirche. Uns kannte selbstverständlich niemand dort, aber das wir weiß waren machte wohl alles wett.
Die Hochzeit ist ganz anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt habe. Es müssen natürlich alle Verwandten eingeladen werden. Diese passen aber niemals alle in die Kirche. Das heißt, dass manche draußen sitzen, manche in der Kirche und während der Trauung jeder herumläuft wie es ihm gefällt. Es hat sich um eine arrangierte Ehe gehandelt und es war schon ein eigenartiges Gefühl, das Brautpaar zu sehen. Doch auf mich wirkten sie nicht sehr unglücklich, da sie auch mal gelächelt haben (wobei ich nicht weiß, ob ich mir das nur einzureden versuche). Miriam und ich wurden dann auch gleich entdeckt, von dem Kameramann gefilmt und mussten auf ein Hochzeitsfoto, dass wahrscheinlich noch den Enkeln voller Stolz gezeigt wird. Es können ja nicht viele Ehepaare auf dem Dorf von ich behaupten, Weiße als Hochzeitsgäste gehabt zu haben. Da macht es auch nichts, dass man sie überhaupt nicht kennt. Bevor wir noch an dem Festmahl teilnehmen mussten, ist Chandrakala mit uns geflohen, da wir sonst stundenlang nicht weggekommen wären. 

Sri Kanipakam Varasiddhi Vinayagar Swamy Temple

Danach fuhren wir zu einem Tempel, der neben der Pilgerstätte der wichtigste in der Gegend ist. Auf der Busfahrt haben wir einen Reporter getroffen, der uns eine Führung durch den Tempel geben und dann einen Zeitungsartikel darüber schreiben wollte. Seine Aufgabe hat er auch sehr ernst genommen! Er hat uns in alle Tempel der Anlage im Sekundentakt reingezwängt, an allen Absperrungen vorbei ohne etwas zu bezahlen, da er anscheinend seine Verbindungen hatte.

Eingang eines Tempels
Wir hatten noch nicht mal Zeit, uns irgendetwas in Ruhe anzugucken. Also bin ich das erste Mal auch ganz in das Innere eines Tempels gekommen. Leider sind dort nie Kameras erlaubt. Ich würde so gerne Fotos davon zeigen, weil es eine ganz beeindruckende Stimmung ist, wenn man diese goldene Götterstatue sieht, die wirklich mit Massen an Blumenketten behängt ist! In zwei der Tempel haben wir dann auch den Darshan mitgemacht. Dieser lief so ab: In jedem Tempel ist ein Mann, ein Brahmane (höchste Kaste im Hinduismus), der von der Regierung angestellt ist. Er trägt besondere Kleidung und hat Sanskrit studiert. Er spricht dann Worte auf Sanskrit und hält eine Schale mit einer Flamme in den Händen. An dieser Schale muss man dann mit den Händen langstreichen. Beim Rausgehen bekommt man dann noch „Heilwasser“ in die Hände, das man trinkt und ich dann über den Kopf schüttet. Das wir das aus hygienischen Gründen nicht machen wollten (abgesehen davon, dass wir keine Hindus sind) konnte der Reporter gar nicht verstehen. Aber keine Zeit zu verlieren! Unsere Tour ging schon weiter. Wenn man möchte bekommt man dann einen roten Punkt auf die Stirn gemalt und kann sich Ladoo (Süßigkeit) mitnehmen. Die Tempel dort sind immer unterschiedlichen Göttern geweiht. Diese waren für Ganesh, einen Avatar von Vishnu und eine Schlange und vermutlich ziemlich alt. Nur streichen Inder gerne alles mit neuer Farbe über, wodurch man das Alter kaum erahnen kann. Neben diesen normalen Tempeln gibt es auch viele Schreine, vor denen man bestimmte Rituale abhält. Ich habe mich anfangs gewundert, warum ein Inder vor einer Statue steht, die Hände überkreuzt, sich an den Ohrläppchen festhält und in „Sit-ups“ macht, bis ich gemerkt habe, dass alle anderen es genauso machen und es ein festes Ritual ist!
Bettlerin vor einem halb neu bemaltem Tempel
In den Tempelanlagen muss man barfuss gehen und seine Schuhe am Eingang abgeben. Nur war es leider an diesem Tag soo heiß, das ich nur über das Gelände rennen konnte. Das war wirklich nicht auszuhalten und hat auf die Inder sehr lustig gewirkt! Selbst in der Wetteranzeige stand „34°C, aber gefühlte 37°C“. Wenn so etwas schon die Inder sagen!
Der Reporter hat uns dann noch mit in die Küche genommen. In vielen Tempeln wird kostenloses Essen angeboten. Der Tempel in Kanipakam ist dafür berühmt, viele Tausende Arme zu speisen. Nachdem wir dem Chef vorgestellt wurden und ein obligatorisches Foto mit ihm gemacht haben, durften wir Massen an Reis mit scharfer Soße (Sambar) auf Bananenblättern verspeisen. So langsam fange ich an, dass Essen gut zu vertragen!
Nach einem kurzen Foto vor dem Tempel war der Reporter dann auch so schnell und in der gleichen Hektik verschwunden, wie er gekommen ist. Am nächsten Tag wollte er dann kommen und die Bilder einsammeln (die wir extra für ihn auf CD brennen mussten!) Er ist nur leider nie erschienen... Ob er wirklich ein Reporter war? 


Gruppenfoto mit dem Reporter (zweiter von links)

Hinterteil einer heiligen Kuh



vertrauenserweckender Mast