Donnerstag, 21. Februar 2013

Ab an den Strand!

Die nächsten beiden Wochenenden fühlten sich wie Urlaub an, denn es ging an den Strand. Und das Mitte Dezember. Schon verrückt.
Das erste Wochenende reiste ich wieder mit dem Deutschen. Es ging nach Kerala, das erste Mal! Kerala soll einer der schönsten Bundesstaaten sein. Und das stellte sich schon auf der Busfahrt dorthin heraus. Die Dörfer sind mitten im Dschungel gelegen zwischen Palmen und den Flüssen, die sich überall hindurch ziehen. Ziel war Kannur. Keine berühmte Stadt, aber sehr gut über ein Wochenende von Bangalore aus zu erreichen. Denn Sonntag musste es wieder mit dem Nachtbus zurückgehen.
In Kannur waren sehr wenige weiße Touristen und so war auch der Strand, der sich kilometerlang hinzog, komplett ausgestorben. Außer bei Sonnenuntergang, wo die indischen Touristen aus ihren Löchern geströmt kamen und sich in Massen am Strand tummelten, um Fotos zu machen und auf Kamelen zu reiten.
Außerdem war Kannur berühmt für Fleisch. Hier gab es einfach fast nur Non-Veg zu essen und wir ernährten uns das Wochenende lang zur Abwechslung mal fast nur von Shawarma. Auch warfen wir einen kurzen Blick in das Kino, das sich in einer riesigen Lagerhalle befand, doch es liefen nur Actionfilme in Überlänge auf Tamil, die wir uns dann nicht anschauten. Insgesamt ist Kerala noch viel heißer als Bangalore und die Mücken setzten uns wirklich zu. Doch der Strand hat es entlohnt!

In der nächsten Woche fand dann mein erste Get together statt! Das ist ein monatliches Treffen aller Kurzzeitvoluntäre (also bis 6 Monate). Diesmal fand es auf einer Organischen Farm nah Bangalore statt. Die Kulisse und die Unterkunft waren wirklich wunderschön. Und zum Essen gab es selbst angebautes Gemüse, lecker! So traf ich noch eine Menge anderer Freiwilliger. Wir bekamen eine Einführung in der Farm, sprachen mit unseren Koordinatoren über unsere Projekte und unsere Probleme (soweit indische Koordinatoren diese nachvollziehen können) und machten uns einen gemütlichen Abend. Am Ende des kurzen Treffens strömten schon wieder alle zu ihren verschiedenen Wochenendaktivitäten auseinander.
Ort des Get Togethers

Jakob und ich setzten uns in den Bus nach Gokarna. Dort sollten wir Biggi und noch zwei andere Freiwillige, Silvia und Magda, treffen. Wir wollten in toller Strandatmosphäre den Geburtstag von Biggi nachfeiern. Und Gokarna war wirklich die perfekte Kulisse. Es liegt ganz oben in Karnataka an der Grenze zu Goa, ist jedoch weniger touristisch und idyllischer. Unsere kleine Bambushütte (die auch noch sehr billig war) hatten wir am OM Beach, an dem wir im Morgengrauen ankamen. In diesen Tagen haben wir viel gebadet und das gute Essen genossen (zur Ausnahme gab es mal westliches Essen!) Außerdem machten wir Bootsausflüge zu den anderen Stränden. Am beeindruckendsten ist der Paradise Beach. Man kann schon aus dem Namen herauslesen, dass er ein Paradies für so einige Reisende ist. Dort ist komplett gar nichts. Keine Lodges, keine Restaurants, keine Straße. Und diesen Ort haben sich Menschen ausgesucht, um dort für kurze Zeit oder auch dauerhaft am Strand zu zelten und sich ihr eigenes kleines Reich aufgebaut. Man hat sich ein bisschen alsEindringling gefühlt, da die ja sozusagen ihr Wohnzimmer direkt offen liegen haben. Doch der Strand war wunderschön und es war ein interessantes Erlebnis. Zurück kletterten wir dann den steinigen Weg über die Klippen, was mit Flip Flops gar keine so schlaue Idee ist. Wir genossen den Sonnenuntergang und feierten den Geburtstag mit einem gemütlichen Abendessen. Abends waren die Strände von vielen Lagerfeuern erleuchtet, doch wir haben es versäumt unser eigenes Feuerholz zu sammeln.
Es viel uns allen schwer, nach so kurzer Zeit wieder Abschied von Gokarna zu nehmen, und wir waren uns sicher, dass das nicht unser letzter Besuch war.
Von den Wochenenden kam ich immer braungebrannt im Gesicht zurück. In meinem Projekt herrschte darüber nur Verwunderung. Wie kann ich meine Hautfarbe wechseln?
Ausblick über den OM Beach

Tausende kleine Krebse

Unsere Unterkunft

OM Beach


Reisen, reisen, reisen...

In der Zeit meiner schwierigen Registrierung verschlug es mich am Wochenende immer in unterschiedliche wunderschöne Teile Südindiens. Das erste Wochenende reiste ich spontan mich einigen Freiwilligen aus Bangalore, die ich alle vorher noch nie gesehen hatte, erneut nach Hampi. Das erste Mal trafen wir uns am Busbahnhof und es wurde ein wirklich schönes Wochenende! Schon die Busfahrt dorthin war toll. Ich fuhr das erste mal mit einem „Sleeper“: ein Bus, in dem Betten sind. Und wir schliefen wirklich tief und fest. Als wir dann bei einer Raststätte ausstiegen kam der Schock. Die komplette Frontscheibe des Busses war zertrümmert, wirklich komplett zersplittert. Wir müssen wohl einen Unfall gehabt haben, von dem aber niemand etwas gemerkt hat und wir wissen bis heute nicht, was genau passiert ist. Doch am beeindruckensten, der Busfahrer fuhr einfach mit der kaputten Scheibe weiter...Wir schliefen, um Geld zu sparen, in Hampi auf der Dachterasse eines Hotels. Es wurde Matratzen und Moskitonetze für uns zur Verfügung gestellt und man konnte nachts den Sternenhimmel anschauen. Ein ehemaliger Freiwilliger aus Hampi, den die anderen kannten und der jetzt dort seine eigene Hilfsorganisation gegründet hatte, zeigte uns unbekannte Ecken und Ruinen. Wir liehen uns erneut ein Motorrad und erkundeten mit ihm wunderschöne Gegenden, in die sonst keine Touristen kommen. Wir ließen den Abend schön bei einem Abendessen bei dem Freiwilligen ausklingen, der uns einen Koch empfohlen hatte. Dort aß ich das beste Essen, dass ich bis jetzt in Indien hatte. Malai Kofta (eine Art Klöße aus Kartoffeln & Paneer/Käse). Es trafen noch mehr mir unbekannte Freiwillige zu uns und den Abend wurde viel geredet. Nachts war es nach meinem Empfinden bitterkalt, eine Kältewelle in Karnataka. Die Temperatur weiß ich nicht, aber in Deutschland wäre es wohl warm gewesen. Ich bin einfach schon zu sehr an das Klima gewöhnt.. Am nächsten Tag entspannten wir uns und schlenderten durch die Läden. Ein schönes Wochenende! 

Tempel in Hampi

Ooty


Auch die nächste kleine Reise kam sehr spontan. Ich reiste mit einem Deutschen, den Biggi und ich in Goa kennengelernt haben. Wir trafen uns in Bangalore und machten uns kurzfristig auf den Weg nach Ooty. Ja, Berge, Natur, Teeplantagen – das hörte sich nach einem guten Ausgleich zu Chittoor an. Es ging mit dem Nachtbus auf die 10-stündige Fahrt. Doch mitten in der Nacht bliebt der Bus vor einem Tor stehen. Die Grenze zum Berg darf er erst im Morgengrauen übertreten, sonst ist die Fahrt wohl zu gefährlich. Und das hat sich gelohnt! Der Bus kletterte langsam zum dem auf 2600 Meter gelegenen Ooty hoch. Der Ausblick war atemberaubend! Teeplantagen, Berge im Nebel und in der Morgensonne und alles scheint so unbewohnt. Auf dem Weg sahen wir auch wild umherlaufende Hirsche und Elefanten. Auch Tiger sollte es geben. Der Bus fuhr mit einer solchen Geschwindigkeit und wenn uns manchmal ein Bus rasend entgegenkam wurde mir ganz mulmig. Ooty selbst war eine geschäftige kleine Stadt, mit vielen alten verrotteten Häusern, die ihren ganz eigenen Charme hatten. Die Temperaturen dort oben waren auch merklich kälter und die Inder liefen alle vermummt wie am Nordpol herum. Man konnte einige schöne Spaziergänge durch die Gegend machen und die verschiedenen Aussichtspunkte besichtigen. Von dort hatte man einen Ausblick auf die ganzen Teeplantagen, auf denen man manchmal Frauen arbeiten sah und die kleinen Dörfer, die sich in den Tälern erstreckten. Schlagartig zog dann ein dichter Nebel auf, in dem man die herrannahenden LKWs erst kurz vorher erkennen konnte. Eine Bushaltestelle war dann doch noch gefunden und als wir auf den Bus zurück nach Ooty warteten kamen auf einmal Frauen aus dem Nebel. Das war ein Anblick! Sie waren Arbeiterinnen und trugen ihre Spitzhacken und traditionelle Kleidung. Ansonsten gab es noch einige kleinere Sehenswürdigkeiten und natürlich selbstgemachte Schokolade, für die Ooty berühmt ist, da sie in diesen Höhenlagen nicht sofort schmilzt.
Als ich mein Ticket zurück nach Bangalore buchte, machte ich eine nette Erfahrung. Mein Ticketverkäufer nannte sich Sherriff, begleitete mich abends persönlich zum Bus und schickte mir eine SMS, dass er Gott dankt, dass ich sicher angekommen bin. Das ist Service. Insgesamt haben wir sehr freundliche Menschen in Ooty getroffen. Auch einen gewissen Captain Anthony, der uns sogleich auf seine Teeplantage einlud und behauptete, Bill Clinton zu kennen. Aber dafür blieb leider keine Zeit mehr!

Madikeri


Auch das nächste Wochenende zog es mich in die Berge und ich machte mich mit Biggi auf nach Madikeri, das auf 1600 Metern liegt. Auch hier ging es auf die holprige Fahrt durch Tee- und vor allem Kaffeeplantagen. Denn Madikeri ist berühmt für seinen Kaffee und seinen Honig. Wir verbrachten schöne Tage in der geschäftigen Kleinstadt und wanderten durch die schönen Gegenden. Nach der langen Suche nach einem schönen und günstigen Hotel landeten wir dann zwar in einem Loch ohne Fenster und mit übergelaufener indischer Toilette. In Madikeri deckten wir uns Winterpullovern ein, die sogar komischerweise made in norway waren (denn auch in Madikeri sind die Temperaturen für indische Verhältnisse niedrig). Abends verschlug es uns dann noch an den schönsten Sonnenuntergangsplatz in ganz Südindien (laut Reiseführer). Leider war die Sonne schnell hinter den Wolken verschwunden und die tausenden Inder, die bei Sonnenuntergang herangeströmt waren, hatten dann kein rechtes Fotomotiv mehr. Also mussten wir herhalten und versuchten irgendwie vor der hunderten Indern, die ihre Kameras auf uns hielten, zu fliehen. Außerdem trafen wir noch auf eine Gruppe von Pfadfindern!
An diesem Sonntag war auch schon der erste Advent! Weihnachten rückte näher. Das wollten wir natürlich feiern. In Gedenken an das heimatliche Adventsfrühstück kauften wir Kerzen und extrem süßen indischen Kuchen für einen kleinen Brunch. Zuvor hatten wir noch unser vom Hotel (=Restaurant) eingepacktes Frühstück auf dem Dach einer Baustelle verspeist und hatten so einen wunderschönen Ausblick. Die Leute müssen sich gewundert haben.
Madikeri war insgesamt islamisch geprägt und wir machten die nette Erfahrung, dass wir eine verschleierte Frau anlächelten, die dann in einem Hausflur ihren Schleier lüftete und uns zurücklächelte. Madikeri war ein schöner Kontrast zu dem von Menschenmassen bevölkerten Bangalore, in dem man schnell mal untergeht. 

Sonnenuntergang in den Bergen

Biggi und Ich

1. Advent

Pfadfinder in Indien








Mittwoch, 20. Februar 2013

Sri Sharada Vidya Kendra - Jyothi Education Trust

Ich behaupte nicht, dass der Name meiner Schule nicht kompliziert ist! Und in diesem Eintrag will ich endlich mal etwas von meiner neuen Arbeit berichten. Seit Anfang Dezember arbeite ich nämlich in diesem teaching project von FSL India. Warum gerade diese Schule, weiß ich nicht genau, denn so viel Hilfe scheint sie nicht zu benötigen.
Meine Schule von außen
Es ist eine Privatschule, in der nicht auf Kannada sonder auf Englisch unterrichtet wird. Das war aber mal eine Umstellung zu meinem alten Projekt. Als ich ankam, bekam ich erst einmal ein Diary überreicht. Eine Art Schultagebuch, in dem ich hineinschreibe, was ich jede Stunde gemacht habe. Dies lasse ich am Ende des Tages von der Direktorin abzeichnen und darf dann erst die Schue verlassen. Außerdem wird ein Anwesenheitsregister geführt, in den ich mich jeden Tag ein- und austrage. Man soll ja auch nicht zu spät kommen. Jeder Klassenraum hat ein Whiteboard und in dem ganzen Gebäude sind Videokameras installiert, was am Anfang sehr befremdlich war. Wenn ich mich am Anfang verlaufen habe, kam ein Anruf auf der Etage, da die Direktorin das auf der Kamera gesehen hatte und ich wurde in den richtigen Raum geschickt.
Die Lehrer haben mich alle sehr freundlich aufgenommen und die Kommunikation mit ihnen läuft gut, da sie sehr gut Englisch sprechen können. Zunächst schaute ich mir alle Klassen an und mit der Zeit bekam ich dann endlich einen Stundenplan und begann regelmäßig zu unterrichten. Wirklich komisch auf einmal eine Lehrerin zu sein. Jetzt werde ich von allen Schülern immer als Miss oder Madame angesprochen. Die freundschaftliche Anrede sonst war immer Sister oder Auntie. So wird auch ganz klar die Hierarchie klargestellt, denn die anderen Angestellten, wie die Sekretärin, die Putzfrauen und der Fahrer, werden als Auntie und Uncle angesprochen.
Am meisten Eindruck hat auf mich am Anfang die Morgenzeremonie gemacht. Alle Schüler versammeln sich geordnet nach Klasse und Größe in Reih und Glied. Zunächst werden dann Prayer aufgesagt. Ich arbeite an einer hinduistischen Schule, also werden Sanskrit Gebete gesungen, wobei sich manchmal auch ein christliches Lied einschleicht, solange nicht das Wort Jesus darin vorkommt. Danach wird der rechte Arm ausgestreckt und der Nationaleid gesprochen. Darauf folgt die Nationalhymne und am Ende wird vor den Lehrer, die die ganze Zeit in einer Reihe vor den Schülern stehen, salutiert. Das Spektakel werde ich auch noch einmal filmen, damit ich es richtig zeigen kann. Jeden Morgen wird so verfahren.
Insgesamt ist mir in der Schule aufgefallen, dass die Kinder dort oft geschlagen werden oder andere Strafen erhalten. Auch nach längeren Gesprächen mit den Lehrern und der Direktorin habe ich dies nicht ändern können. Aber die Forderung, dass ich selber den Kindern mit dem Schlagstock Angst einjage, lehne ich strikt ab. Auch wenn die Kinder dann manchmal bei mir etwas lauter sind, werde sie so doch ihre überschüssige Energie los und ich kann den anderen zeigen, dass es auch ohne schlagen geht.
Wie sieht mein Tag jetzt genau aus? Jeden Morgen unterstütze ich eine Lehrerin 2 Stunden lang bei der Nursery Class. Das ist die Vorschule mit Kindern von zwei bis vier Jahren. Und indische Kinder sind wirklich niedlich! Ich habe sie alle mit ihren Eigenarten lieb gewonnen. Meistens jedoch sollen sie das englische Alphabet oder Kinderlieder am riesigen Beamer auswendig lernen. Ein paar Mal habe ich mit ihnen gespielt, da so viel eingepacktes Spielzeug im Raum herumliegt. Außerdem sind die Kinder es gar nicht gewohnt zu spielen und zu teilen. Deshalb ist das Geschrei groß und alle zanken sich. 
Jeden Tag gehe ich dann mit Ohrwürmern von Kinderliedern nach Hause und summe Texte wie: „A Tisket, a Tasket, a green and yellow basket,...“ oder „I´m a little Teapot fat and stout, this is my handle and this is my spout....“


Spielen in der Nursery-Class
Kinder starren auf den Bildschirm
Danach unterrichte ich unterschiedliche Klassen. Mit der dritten und vierten Klasse (die ich meistens auch noch zusammen habe und die wirklich laut sind) spiele ich meistens Spiele, wir malen oder basteln. Doch man muss erstmal dafür sorgen, dass die 40 Kinder leise sind. Und das ist alleine gar nicht so einfach. Beim Malen habe ich gemerkt, dass die Kinder immer abzeichnen und kaum aus ihrer eigenen Fantasie zeichnen können, da sie es in der Schule immer anders vermittelt bekommen. Also musste ich immer aufpassen das niemand „ abmalt“ und mit der Zeit wurde es immer besser. Als wir gebastelt haben, hatte ich leider nur 4 Scheren zur Verfügung. Das Drama kann man sich ja vorstellen. Undgefähr 5 Kinder standen ständig um mich herum und schrien: „Madame, I want Scissor“. - „I dont have Scissor.“ - „But I want scissor“ ….


Kinder der 3ten und 4ten Klasse
Für die fünfte bis zehnte Klasse unterrichte ich Deutsch. Und ich muss wirklich sagen, sie machen richtige Fortschritte. Ich gestalte es nach unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen dem Alter entsprechend. In der fünften Klasse lernen wir deutsche Lieder wie „Zwei keine Wölfe“ und die achte Klasse hat sogar schon einen Vokabeltest geschrieben. Sie können sogar schon sagen: „Können sie bitte zur Seite gehen, Frau Kümmritz. Entschuldigung, Frau Kümmritz“. Und manchmal machen wir auch Einheiten zur Deutschen Kultur, da sie keine Ahnung hatten, wo Deutschland liegt und sogar nachgefragt haben, wer der König von Deutschland ist. 
Schüler der 5ten Klasse

Zwischendurch habe ich immer Freistunden, in denen ich den Unterricht vorbereite und mich ein bisschen entspanne. Denn unterrichten ist anstrengend, und ohne die Freistunden wäre ich vollkommen ausgelaugt.
So verbringe ich meine Tage in der Schule und habe die ganzen Schüler wirklich lieb gewonnen. Dann mache ich mich zu Fuß zurück auf den Weg ins PG, der mich durch die vollen belebten Straßen führt, die mittlerweile Alltag für mich geworden sind. 




 
Schüler sehr motiviert beim Galgenraten

Chittoor, Bangalore, SCAN, FSL, Polizei - Verwirrung

Ich hätte nicht zu glauben gewagt, dass es noch einen Monat nach meiner Ankunft in Bangalore dauern sollte, bis ich endlich mit meiner Arbeit in meinem neuen Projekt anfange.
Denn es kam alles anders als gedacht...
FSL fragte mich bei meiner Anmeldung ganz routinemäßig nach meinem Residential Permit. Also meine Aufenthaltsgenehmigung für Indien, die man mit der Registrierung mit einem Employment-Visa bekommt. So etwas habe ich nie in den Händen gehalten. Da war die Aufregung groß, denn ohne dieses Papier darf ich nicht aus Indien ausreisen! Hätte ich also nicht zu FSL gewechselt und wäre nach meinem Freiwilligendienst ahnungslos zum Flughafen gefahren, dürfte ich das Land nicht verlassen.
Noch viel schlimmer: Ich war seit ca. 2 Monaten illegal ohne Registrierung in Indien! Wie kann das sein, ich hatte doch damals mit SCAN in Chittoor alles geregelt.
Dann wurde es kompliziert... Da mein Visum auf Chittoor und SCAN ausgestellt ist, darf ich auch nur dort registriert sein. Also wurde wieder Kontakt zu meinem alten Chef aufgenommen und es ging für mich zurück nach Chittoor, um alles zu klären. Meine Rückkehr kam früher, als ich es gehofft hatte. In diesem Monat vertrieb es mich ganze drei Male nach Chittoor.
Das erste Mal begleitete mich Jakob als Unterstützung für die Auseinandersetzung mit den indischen Behörden und meinem alten Chef, vor der ich wirklich Respekt hatte. Erst schien alles ganz einfach. Wir wurden wieder freundlich aufgenommen und gingen mit Elizabeth am nächsten Tag zum Office. Was musste getan werden? Ich brauchte eine Registrierung für die letzten 2 Monate und eine falsche Registrierung für die kommenden Monate. Damals hat SCAN wohl gar nicht verstanden, dass ich ein Employment Visa habe und mich einfach nur als Tourist angemeldet. An diesem Tag brachten wir gefühlte hundert Kopien von allen wichtigen Dokumenten zum Office (auch mein Abiturzeugnis und eine Bürgschaft meiner Mutter - warum auch immer...) und es wurde eigens für mich ein Ordner angelegt.
Das Desaster begann am Abend, als wir mit einem Angestellten noch mal in das Office gingen, um die Registrierung hinter uns zu bringen. Da standen Jakob und ich und erzählten die Geschichte, dass ich immer noch für SCAN in Chittoor arbeite und nur am Wochenende nicht dort bin (wie abgesprochen). Gleichzeitig erzählte aber der Angestellte auf Tamil eine vollkommen andere Geschichte: Das ich jetzt in Bangalore bei einer ganz neuen Organisation arbeite. Die ganze Geschichte flog auf und es war klar, dass wir gelogen haben. Alles ging im Chaos auseinander und nach vielen Telefonaten und auch einigen Tränen war klar, dass es nächste Woche wieder - diesmal mit meinem Chef - nach Chittoor geht.
Diesmal wurde anscheinend wieder alles versucht. Auf einmal hieß es, dass die Polizei Untersuchungen machen wollte. Sie wollte kontrollieren, ob ich wirklich in dem Haus wohne (das ich dann auch prompt nicht mehr verlassen durfte) und wollte meine ehemalige Arbeitsstelle besichtigen. Nach großem Drama schien dann endlich alles geklärt zu sein. Nur der SP Officer war einfach nicht da. Immer auf irgendwelchen Meetings, das Office hatte Urlaub und so weiter. Also wartete ich einige Tage und hielt es dann nicht mehr in Chittoor aus. Mein ehemaliger Chef und ich gerieten in eine Art Streit, da er auch nach hundert Erklärungen nicht verstand, dass ich ein Employment Visa brauchte, da es ab Ausstellungsdatum gültig ist und ich sonst nicht hätte 6 Monate für SCAN arbeiten können. Mir wurde die Schuld gegeben, dass ich aus Versehen kein Touristen Visa beantragt habe und sie davon in Indien komplett überrascht wurden. Davon, dass ich alles vorher abgeklärt hatte und sie mich auch in den 2 Monaten nicht registriert haben, war keine Rede mehr.
FSL musste sich komplett raushalten, da sonst der ganze Schwindel aufgeflogen wäre und so stand ich nun allein ohne Registrierung in Chittoor. Ich rechnete mit allem, auch damit, dass ich zurück nach Deutschland geschickt werde oder einen hohe Straße zahlen muss, da ich mich illegal in dem Land aufhalte. Ich nahm Kontakt zu meiner deutschen Organisation auf und war kurz davor, das Konsulat oder die Botschaft einzuschalten. Dann sollte alle ganz einfach gehen. Der Bruder meines Chefs versicherte mir, dass der Residential Permit schon exisitiere, nur noch die Unterschrif des SP Officers fehle und er mir diesen per Post nachschicken könne. So einfach dann doch nicht. Ich musste schon wieder zurück nach Chittoor. Dort hatte ich ein Meeting mit dem Officer. Im Büro interessierte der Officer sich jedoch überhaupt nicht, fragte noch, wie lange ich die Registrierung brauchte und gab seinen ganzen Unterschriften. Mit dem Zettel in der Hand trieb es mich sofort aus Chittoor heraus und ich habe auch nicht vor, so schnell dorthin wieder zurück zu kommen. Hätte ich das alles nur geahnt... Der Bruder meines Chefs, der wusste, wie unwohl ich mich fühlte, meinte nur zum Abschied: „It´s all over. You can go. It´s done.“ Und das war es dann auch.

















PG - das ist also mein neuen Zuhause!

Ich sollte nicht in einer Gastfamilie unterkommen, sondern in einem PG. Gut, okay dann ein PG, aber was ist das? Das ist ein „private Guesthouse“, ein Hostel entweder für Frauen oder Männer, in dem Studentinnen, Jobsuchende und Beschäftigte leben, die nicht bei ihrer Familie wohnen könnte. Hörte sich auf jeden Fall interessant an. Als ich in meiner neuen Unterkunft, dem Vanashree PG, rausgelassen wurde, musste ich meine Vorstellungen erstmal überdenken. Ein großes Gebäude mit vergitterten Fenstern, in dem 140 Mädchen und Frauen leben. Unten ein paar Plastikstühle und ein Fernseher (was das Wohnzimmer darstellen sollte) und einen kleinen Raum, wo zu festen Zeiten Essen serviert wurde. 

Ich kam an und niemand wusste, wer ich war und was ich sollte, denn man hatte niemanden von meiner Ankunft informiert. Also wurde ich erstmal in das Zimmer der Warden verfrachtet, die nicht im Haus war. Abends kam sie und ich merkte, dass hier alles etwas anders läuft. Die Warden Asha ist relativ jung und ziemlich verplant. Ein Zimmer kann ich erst bekommen, wenn die zwei anderen Freiwilligen, die auch dort wohnen, wieder da sind, hieß es. Also lebte ich die erste Woche im einem Zimmer mit meiner Chefin, die komplett keine Privatsphäre hat, weil jeder in ihren Raum gestürmt kommt. Gegessen wird alleine auf den Zimmern und man muss auch sein eigenes Geschirr mitbringen, eigene Wäsche und eigenes Putzzeug. Und eigentlich machen die meisten auch gern alles allein oder mit ihren Zimmergenossinnen. Aber wo soll man sich sonst auch treffen ohne Gemeinschaftsraum?
Als dann meine neuen Mitbewohnerinnen Fanny (Deutschland) und Jasmijn (Holland) aus dem Urlaub wiederkamen hieß es umziehen. Da jedoch niemals 3 Betten in dem kleinen Raum nebeneinander gepasst hätten, musste ein Doppelbett her. Morgen, oder übermorgen,.. Den ganzen Tag lang kämpften wir um ein Bett und abends um 11 war es dann endlich geschafft. Aber hat je irgendjemand auch von einer Matratze gesprochen? Dafür musste man nochmal viel Überredungskunst und Hartnäckigkeit bei Asha einsetzten, die immer in die unterschiedlichsten Ecken des Hauses vor uns floh. Auf jedem Fall habe ich in diesem PG penetrant auf seinen Rechten zu bestehen. 
Mein Badezimmer (beim Wäschewaschen)

In was für einer Gegend bin ich eigentlich gelandet? Das sah alles nicht mehr so nach Großstadt aus. Mein Stadtteil heißt Mathikere, das nahe dem großen Bezirk Yeshwantpur ist. Asha nahm mich einige Male auf ihrem Scooter mit und zeigte mir die Gegend, wie den großen Gemüsemarkt und die überfüllten Straßen.
Fanny und Jasmijn zeigten mir dann noch das Viertel mit seinem Supermarkt, dem Postladen, dem Internetcafe und Läden, wo man sein Handy auflädt, Fotos ausdruckt und Bus- und Zugtickets bucht.
Mit meiner Ankunft begann auch gleich eines der größten und wichtigsten Hindu-Festivals. Diwali! Das lässt sich für uns am besten als eine Mischung aus Silvester und Weihnachten beschreiben. Es stehen überall Öllämpchen, es werden in der Familie Geschenke verteilt und Feuerwerke und Knaller gezündet. In den 5 Tagen des Festivals herrschte Ausnahmezustand. Mit Jasmijn und Fanny und einer deren indischen Freundinnen aus dem PG gingen wir schön essen, besorgten uns ein kleines Feuerwerk und feierten Diwali auf unserem Hausdach. Es war wunderschön abends die tausenden Lichter zu sehen und die unzähligen Feuerweke. Auch im PG wurden einige Lichter aufgestellt, wobei die meisten Mädchen jedoch nach Hause zu ihren Familien gefahren waren. Andererseits hat man sich zwischendurch wir im Krieg gefühlt. Die Knaller hier sind um einiges lauter als in Deutschland und mit Sicherheitsstandards will ich gar nicht erst anfangen. Die ganze Zeit, bis spät in die Nacht, knallte es, und am Telefon hat es sich wie ein Bombenangriff angehört. Abends ging man am besten auch nicht auf die Straße, da die Inder munter Knaller aus ihren Fenstern warfen und man immer aufpassen musste, nicht in eine Explosion zu geraten. Auch ist in den Großstädten wie Bangalore in dieser Zeit die höchste Lärmbelästigung und der schlimmste Smog innerhalb des ganzen Jahres....

Sonntag, 17. Februar 2013

Raus aus Chittoor! - Die erste Reise

Mysore

Bye bye Chittoor, auf ins Abenteuer! Die erste Station meiner Reise war Mysore. Der Weg dorthin war schon aufregend. Begonnen hat er nachts von Chittoor nach Bangalore, wo ich mitten in der Nacht auf dem großen Busbahnhof angekommen bin. Da so etwas zu gefährlich für eine Frau allein ist, hat mich bis dorthin ein Angestellter von SCAN begleitet. Leider endete in Bangalore alles im Chaos, da der Mann leider komplett keine Ahnung von den Bussen nach Mysore hatte. Ich rannte also die ganze Zeit mit dem gesamten Gepäck hinter ihm her, wenn er die verschiedenste Leute fragte, und sollte alleine auf ihn warten. Da wäre ich alleine wirklich noch sicherer gewesen!
Schlussendlich war der Bus nach Mysore anscheinend gefunden, eine rasche Verabschiedung und ich entspannte mich, bis der Kontrolleur kam und nur 8 Rupees für das Ticket wollte. Das kann doch nicht angehen? Konnte es auch nicht. Ich saß im Stadtbus zu einer anderen Busstation, habe dann aber doch noch die richtigen Busse gefunden. Erschöpft aber glücklich kam ich dann morgens in Mysore an, nachdem ich mehrmals komplett übermüdet an der falschen Haltestelle aussteigen wollte und mich die Leute im Bus zum Glück noch davon abgehalten haben.
In Mysore sollte ich Biggi treffen, die ich schon aus Deutschland kannte und die als Freiwillige in Mysore arbeitet. Das war aufregend! Sie kam mit einer Gruppe anderer Freiwilliger von einem Workcamp, meine ersten Weißen seit einigen Wochen! Ich bin schon wie die Inder geworden und starre nur noch die Weißen an. Die Wiedersehensfreude war groß und ich war ganz überfordert von den ganzen neuen Eindrücken. Glücklich saß ich dann mit Biggi im Bus zu ihrer Gastfamilie, wo ich für die Nacht unterkommen sollte. Mysore, eine Touristenstadt, sowas war ich nicht gewohnt. Lauter Weiße und lauter Menschen, die einem alles mögliche verkaufen wollten.
Ich wurde dann von der Familie gleich herzlich und laut aufgenommen. Und was am schönsten war, ich konnte mit Biggi über alles erlebte sprechen und mich mit ihr über unsere Erfahrungen in Indien austauschen,die zu dem Zeitpunkt so unterschiedlich und gleichzeitig so ähnlich waren.
Abends haben wir dann noch einen Ausflug nach Hunsur zu anderen Freiwilligen gemacht. Dort wurden wir von einer Parade durch die Stadt überrascht. Immer noch ein Stadtviertel, das Ganesh Chathurti feiert & ihre Ganesh Statue im See versenken möchte, obwohl das Fest schon seit einigen Wochen vorbei ist. Menschen in Kostümen, Trommler und eine riesige mit Blumen behangene beleuchtete Statue! Die Trommler bildeten einen Kreis um uns und wir tanzten mit den Indern zu der Musik. Was für ein toller erster Abend. Das war das Indien, das ich mir die ganze Zeit vorgestellt habe.
Am nächsten Tag ging es zu einem Hotel, das ich mir mit den beiden Freiwilligen Lea und Insa geteilt habe. Gemeinsam wollten wir uns Mysore anschauen, in dem im Moment Ausnahmezustand herrschte, da das Desara-Festival stattfand. Das Desara Festival wird am größten in Mysore gefeiert, wobei es einen riesigen Umzug durch die Stadt gibt (bei dem auch der echte Thron des Maharadschas herumgetragen wird) und abends alles mit Lichtern beleuchtet ist. Zusammen entdeckten wir den Palast des Maharadschas und den riesigen Devaraja Market, der vor allem berühmt für seine Farben und Öle ist. Wir waren alle ganz verzaubert. Dann wollten wir vier noch in ein Restaurant zu einem gemütlichen Abendessen, bei dem sich dann aber zufällig um die 30 verschiedenen Freiwilligen von FSL ansammelten. So viele Deutsche auf einmal!
Dann kam der große Tag der Parade und wir machten uns früh auf den Weg zum Palast, da die kleine Chance bestand, noch eine Eintrittskarte zu bekommen, um die Parade vom Palast aus zu sehen. Daraus wurde leider doch nichts und wir sputeten uns, um noch einen Stehplatz an der Straße zu bekommen. Die Menschenmassen waren wirklich unglaublich und die Sonne brannte auf uns herunter. Wir sahen bemalte Elfanten, Tänzer, Menschen in Kostümen und kleine Bühnen, die indische Mythen darstellen sollten. Dann wurde es sehr unruhig, der Zaun hinter uns wurde eingetreten und Inder rannten darüber. Und warum waren auf einmal nur Männer um uns herum? Diese nutzten die Gelegenheit natürlich, mal einer weißen Frau ganz nah zu sein. Also schnell aus den Menschenmassen in ein gemütliches indisches Eiscafé und unseren Sonnenbrand pflegen. Abends schlenderten wir durch die Straßen, die alle beleuchtet waren. Das beeindruckenste war der Palast, der komplett mit Lichterketten behangen war. Vom Chamundi Hill genossen wir dann den Blick über die ganze Stadt und kamen dann erschöpft in unserem gemütlichen Hotelzimmer zur Ruhe.
Insgesamt waren die Tage in Mysore so erlebnis- und abwechslungreich, wie ich es mir nicht vorstellen konnte.
Elefant beim Desara-Festival
Mysore-Palace bei Nacht


Devaraja-Market

Die nächste Etappe der Reise war Hampi, eine riesige Ruinenstadt inmitten einer steinigen Berglandschaft. Mit Biggi, Lea, Insa und Benni (alle bekannte Gesichter aus Deutschland) ging es im klapprigen „ordinary bus“ nach Hampi. Die perfekte Möglichkeit billig zu reisen. Die 12 Stunden Busfahrt haben uns nur 300 Rupees gekostet!
Es war magisch im Morgengrauen durch die Bananenplantagen und alten Ruinen zu fahren und wir waren schon begeistert, bevor wir ankamen. In unseren 4 Tagen sind wir viel durch die alten Ruinen geschlendert und Hampi ist zu einem meiner Lieblingsplätze in Indien geworden. Hampi ist keine Stadt, es besteht komplett aus Lodges, Restaurants und Läden, die mitten in die Ruinen hereingebaut sind, natürlich illegal. Deshalb werden sie nach und nach alle abgerissen und man weiß nicht, wie Hampi in der Zukunft aussehen wird. Zunächst erkundeten wir die alten Tempel in der näheren Umgebung. Es machte wirklich Freude, einfach nur zu sitzen und den Ausblick zu genießen und in den Ruinen herumzuklettern. Abends zog es und dann noch in den großen Tempel, der noch aktiv ist. Wir machten den Darshan mit, saßen auf den aufgewärmten Steinen, lauschten den Gesängen und beobachteten die Affen, die überall in der Anlage herumkletterten. Da sonst kaum Touristen den Darshan im Tempel mitmachten und sich alle so darüber freuten, dass wir indische Kleidung trugen, wurden wir oft angesprochen und auch die Brahmanen freuten sich.
Am anderen Tag ging es auf die andere Seite des Flusses, der Hampi teilt. Für uns ging es aber nicht in den traditionellen Nussschalenbooten sondern in der kleinen Fähre über den Fluss. Wir liehen uns dort Motorräder aus und erkundeten mit ihnen die ganze Gegend. Ich saß bei Biggi hintendrauf und natürlich sitzt man wie die Inder freihändig. Es war so ein tolles Gefühl durch die Reisfelder und Berge zu fahren. Wir besuchten den Hanuman-Tempel, der auf der Spitze eines Berges thront und zu dem man anstrengende 600 Stufen heraufsteigen muss. Doch der Ausblick entlohnte alles. Hanuman ist der Affengott und deshalb waren auch so einige Affen dort oben anzutreffen, weshalb man wirklich auf sein Essen aufpassen musste! In dem sehr kleinen Tempel saßen wir noch längere Zeit und hörten den Gesängen zu, bekamen den langen roten Strich auf die Stirn gemalt und bekamen Tee. Danach ging es an einen See. Auf der Suche nach einem stillen Plätzchen landeten wir mitten in einer Affenherde. Leider haben wir gerade unsere Bananen gegessen und als die Affen auf einmal die Zähne fletschten, war es Zeit zu verschwinden, da mit ihnen wirklich nicht zu spaßen ist. An der Straße wurde uns dann noch von einem Schlangetempel im Dschungel und einem Wasserfall erzählt. Das wollten wir sehen! Biggi und ich wurden dann aber von einer Gruppe indischer Männer aufgehalten, die uns die ganze Zeit die Hand geben wollten (was keine indische Frau macht) und aufdringlich waren. Also fuhren wir schnell hinter den anderen her, sahen jedoch hinter einer Kurve die Riksha mit den ca. 15 Männer hinter uns her jagen, die auf dem Dach saßen und aus den Türen heraushangen. Sie verfolgten uns grölend und versuchten uns anzufassen und auszubremsen. Und es war wirklich wie eine Verfolgungsjagd. Da die Sonne schon unterging und sowas wirklich gefährlich mitten im Dschungel werden könnte, drehten wir schnell um und fuhren zurück. Wir setzten noch mit der Fähre über und ließen den Abend ausklingen. Am nächsten Tag stiegen wir schon vor Sonnenaufgang auf und gingen in den Tempel, in dem im Morgengrauen ein besonderes Gebet abgehalten wird. Danach mieteten wir uns nochmal ein Motorrad um unsere Seite des Flusses zu erkunden. Wir sahen wirklich beeindruckende Tempelanlagen, die alle so weit verstreut waren, dass man länger zu ihnen hingefahren ist. Für den einen sollte man dann als Nicht-Inder 250 Rupees bezahlen (Eintritt für Inder 10 Rupees), was uns zu viel war. Biggi und ich schafften es dann jedoch den Ticketkontrolleur zu erweichen. Dieser meinte dann er kauft uns ein Ticket für 80 Rupees. Das Geld wird er jedoch auf jeden Fall behalten haben und wir sollten es ihm in einer Ecke im Tempel geben. So ist es wohl mit der Korruption. Auf dem Weg zurück ist jemandem von uns dann leider das Motorrad umgekippt, als sie losfahren wollte. Zum Glück ist nichts passiert, aber das Motorrad war so ziemlich kaputt. Es gab erstmal großes Drama und einen Menschenauflauf um uns herum. Wir transportierten das Motorrad mit der Riksha zurück nach Hampi und redeten eine Stunde auf den Vermieter ein und erzählten die Geschichte, die wir immer erzählen: Wir sind Voluntäre, arbeiten, leben für längere Zeit in Indien und haben kein Geld. So war die Strafe, die wir für die Reparatur zahlen mussten, nicht zu hoch war. Erleichtert stiegen wir noch schnell auf einen Felsen um uns den Sonnenuntergang anzuschauen. Doch es versammelte sich eine riesige Gruppe von Indern um uns, die einfach die ganze Zeit ungeniert Fotos von uns machten. Dies war schon die ganze Zeit über der Fall gewesen. Ich möchte nicht wissen, was eine Inder mit diesen Fotos anfangen. Diesmal war es wirklich zu viel für uns und wir versuchten energisch zu erklären, dass wir nicht im Zoo sind und nur ganz normale Menschen wie die Inder auch. Verstanden haben sie es wohl nicht, aber irgendwann sind sie gegangen.
Am nächsten Tag erkundeten wir noch einige Tempel und schauten uns gemütlich die Massen an Läden an. Hampi ist nicht sehr groß und die ganzen Verkäufer kannten uns schon. Es wird natürlich mit den drastischsten Maßnahmen versucht, jemanden zum kaufen zu bewegen. Und da man auch eher oft gefragt wird, wo man herkommt und wie man heißt, dachten wir uns unsere eigene Geschichte aus, wenn uns einige Personen sehr komisch vorkamen. Unsere Herkunftsländer waren Usbekistan und Armenien, womit die Inder komplett nichts anfangen konnten und so auch nicht ihre kleinen Deutschkenntnisse an uns ausprobiert haben.
Hampi wimmelt nur so von anderen Touristen und wir haben viele nette und interessante Menschen getroffen, die man zufällig immer wiedergesehen hat. Hampi liegt wirklich im Nirgendwo und hat auch meist keinen Handyempfang. Irgendwann bekam ich dann die SMS meiner Mutter: Bitte ein Lebenszeichen. Sobald man auf Reisen ist, vergeht die Zeit so schnell und man ist so mit den neuen Eindrücken beschäftigt, dass kaum Zeit hat, an zu Hause zu denken.
Unsere tolle Reisegruppe trennte sich dann und Biggi und ich reisten mit Anita und Anne, Freiwilligen aus Mysore, weiter.

Tempelanlage in Hampi
Biggi und Ich auf dem Motorrad

Insa, Ich und Lea mit einem Ausblick über Hampi

Lea, Insa und Benni auf dem Motorrad

Hanuman-Tempel

Sonnenuntergang auf dem Berg


Abendatmosphäre auf einem Rooptop-Restaurant

Unsere Reisegruppe (Biggi, Ich, Benni, Lea, Insa)

Nächste Station: Goa! Es wird einem oft erzählt wie touristisch und unindisch Goa ist und dass man es nicht unbedingt gesehen haben muss. Trotzdem wollten wir uns unser eigenes Bild machen. Mit dem Bus ging es dann den holprigen Weg durch die Berge nach Goa. Zum Glück hatten wir einen Semi-sleeper (der besser als die ordinary Busse ist und bei dem man die Sitze zurückklappen kann). Und da kamen wir dann in Goa, Panaji im Morgengrauen an und hatten wirklich komplett keine Ahnung und keinen Plan. Also haben wir uns einfach von irgendwelchen Riksha-Fahrern einen Ort empfehlen lassen und uns mit Bussen nach Anjuna begeben. Auf dem Weg trafen wir noch eine Belgiern, Celine, mit der wir uns die Zeit über immer wieder getroffen haben. Der Ort war schön, touristisch, voller Läden und verrückter Menschen. Wir verbrachten vier schöne Tage am Strand und es fühlte sich wirklich wie Urlaub an. Abends konnte man ausgehen und es war wunderschön, im Meer zu tanzen. Wir haben Menschen kennengelernt und einige Abenteuer erlebt, die man hier gar nicht alle beschreiben kann. Wir perfektionierten unsere Verhandlungsfähigkeiten auf dem riesigen Flohmarkt und mieteten uns ein Motorrad, um die umliegende Gegend zu erkunden. Dort sahen wir schöne Strände und kleine Dörfer.
Natürlich ist Goa auch das, wofür es bekannt ist. Die vielen Touristen, vor allem waren es Russen, liefen in knapper Kleidung herum. Das war für uns zunächst schon eine Art Kulturschock. Für uns war klar: Wir gehen wie die Inderinnen in Klamotten baden und tragen ein Bindi. Indisches Essen war leider nur schwer zu bekommen und einem wurden oft Drogen auf der Straße angeboten.
Ich kann nur sagen, dass wir dennoch eine tolle Zeit hatten und ich werde die Erlebnisse dieser ersten Reise nicht so schnell vergessen. Es viel uns wirklich schwer Abschied von dem Ort zu nehmen, doch wir mussten uns in dem holprigen ordinary Bus auf die 14 stündige Rückreise machen.
Aber uns war bewusst, dass es nicht unsere letzte gemeinsame Reise war und dass es uns auch irgendwie noch einmal nach Hampi und Goa treiben würde.

Strand in Anjuna

Strand typisch indisch (mit Kühen)

Ausblick vom Fort

Jetzt sind wir auch mal touristisch


Lea hat noch ein Video von unserer Reise hochgeladen: http://www.youtube.com/watch?v=2emvBggVlHU

Mittwoch, 13. Februar 2013

20.12.2012 - Wechsel

Meine letzte Zeit in Chittoor war angebrochen, denn es stand nun fest, dass ich zu der indischen Organisation FSL (Field Services & inter-cultural Learning) und in ein neues Projekt in einer anderen Stadt wechseln werde. 

Zunächst wollte ich erst einmal aus der Stadt heraus und ein paar andere Freiwillige, die ich aus Deutschland kannte, treffen. Außerdem legte mir mein Chef in Bangalore nah, schon meine ganzen Sachen mitzunehmen und war selber ganz froh aus der Situation herauszukommen, denn zwischen uns beiden hat es wirklich nicht gepasst. Er wusste schon länger von meinem Wechsel Bescheid, doch dann erfuhr ich, dass er niemanden in Chittoor darüber informiert hatte. Also versuchte ich es auf English seinem Bruder und seiner Mutter verständlich zu machen, dass ich nach meinem Urlaub nicht mehr wiederkomme, und hoffte, dass sie es verstanden haben.
Die letzten Tage verbrachte ich mit Packen, Organisieren, Herumtelefonieren und Verabschiedungen. Es gab noch ein letztes Essen bei den Verwandten meines Chefs. Auch dort war das Gesprächsthema fast nur der vorherige Freiwillige, was sich durch meine ganze Zeit in Chittoor gezogen hat. Auf mich hat das manchmal Druck und das Gefühl einer Erwartungshaltung gegeben. Auch meine (öftere) Bemerkung: „Now I know more about the other volunteer than SCAN, Chittoor or India!“ wurde mit größter Freude aufgenommen.
Mein letzter Abend war voller verschiedener Emotionen. Erst kam der Abschied vom Sherman College, den Wardens und den Mädchen dort, die ich wirklich vermissen werde. Als ich dort abends ankam, waren die Kinder gerade zurück aus ihren Ferien und beim Abendgebet, das dann mir gewidmet wurde. Dann kam Monsunregen, mir wurde ein Regenschirm besorgt und im Dunkeln machte ich mich von den Mücken verfolgt schnell auf den Weg nach Hause. Ein zu kurzer Abschied. Aber es ist ja auch nicht das letzte Mal, das ich sie sehe. Ich ruhte mich dann noch kurz aus, wobei ich viel zu aufgeregt war. Nachts klingelte dann der Wecker, die Mutter kam noch zu mir für ein Gebet für mich und dann ging es auf meine erste große Reise in Indien mit einer noch unbekannten Zukunft im neuen Projekt.
Mein altes Zu Hause

Der Monsun kommt

Auch von den Mädchen heißt es Abschied nehmen